Windkraft und Naturschutz, in mehrfacher Hinsicht eine win-win-Situation

Ein Beitrag von Dr. Jürgen Hoffmann

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Nicht nur, dass Stromerzeugung mit Sonne und Wind dem Klimaschutz dient und die Vermüllung der Atmosphäre und Versauerung der Meere durch Kohlendioxid abbremst. Nein, seit es die Auseinandersetzung um Windkraftanlagen (WKA) gibt, steht auch der Naturschutz verstärkt in der Beachtung und Diskussion in der Bevölkerung. Ob Rotmilan, Schwarzstorch oder gar die Bechsteinfledermaus, man kennt und beachtet sie jetzt mehr denn je. Eine ausgesprochene win-win-Situation für Naturschutz durch Windkraft.
Nachdem in Eltville durch das avifaunistische Gutachten festgestellt ist, dass für sieben von acht Standorten die Horste von Rotmilanen und einem Schwarzstorchpaar vier bzw. sechs Kilometer entfernt sind, sollen hier auch andere positive Effekte von WKA in den Blick genommen werden. Nicht nur, dass die WKA im Wald zu neuen Orientierungspunkten werden. Nein, wir gewinnen auch ein Stück alter Kulturlandschaft besonderer Art zurück, von der es in Deutschland nur noch ca. ein Prozent gibt. Gemeint ist der Niederwald, eine Waldkulturform, bei der der Aufwuchs alle zehn Jahre „auf den Stock gesetzt“ wird, also durch Schlagen von Brennholz neues Licht in den Wald fällt und ein neuer Stockausschlag möglich wird. In der Niederwaldwirtschaft ist eine bis zu fünfmal größere biologische Artenvielfalt zu beobachten. Dies zeigt auch eine neuere Studie der Uni Göttingen zur Waldlückenstruktur. Verwirklicht ist dies u.a. unter der Freileitungstrasse Köln – Karlsruhe im Binger Wald (Foto). Zu erreichen ist diese Steigerung der Biodiversität nach Abschluss der Bauarbeiten an WKA mit der Wiedereingrünung der Randbereiche und der Zufahrtswege mit z.B. Hainbuche, Hasel, Elsbeere oder auch Heckenpflanzen, eine ausgesprochene win-win-Situation.
Für einen Eingriff in die Natur bei Baumaßnahmen wie dem Bau von WKA (im Wald und anderswo) sind Ausgleichsmaßnahmen oder Ersatzzahlungen vorgeschrieben, weil das Verschlechterungsverbot gilt. Da Ersatzflächen für eine Wiederaufforstung nur in begrenztem Maße im Rheingau zur Verfügung stehen, müssen Ersatzzahlungen geleistet werden. Eine Vortragstagung im Februar in Wetzlar zeigte viele herausragende Beispiele auf, was damit in Hessen schon erreicht wurde. Im Rahmen der beiden Bürgerforen wurden auch für Eltville von Bürgern mehrere Vorschläge hierzu gemacht. So können die Bachrandstreifen und Bäche naturnah rekultiviert, neue Laichgewässer angelegt und der durchgängige Aufstieg für Fische, Krebse, Insekten und deren Brut wiederhergestellt werden, wie dies die europäische Wasserrichtlinie verlangt. In den Weinbergen können mit den Ersatzzahlungen unwirtschaftliche Ackerspitzen mit Obstgehölzen wie Weinbergspfirsichen oder Krautflora angelegt oder Maßnahmen im ökologischen Weinbau gefördert werden. Ein Vorschlag ging sogar so weit, mit den Ersatzzahlungen die alte Müllkippe zwischen Hattenheim und Erbach wieder in Retentionsraum für die Hochwasser des Rheins und somit wertvollen Auenwald umzuwandeln.
Ein schriftlich zum Bürgerforum eingereichter Vorschlag, der leider nicht öffentlich zur Diskussion gestellt wurde, empfahl, einen Teil der Pachteinnahmen aus WKA in einen stadteigenen Fonds zu leiten, aus dem Bürger bei der energetischen Sanierung älterer Häuser unterstützt werden können, ein zweifacher Gewinn für den Klimaschutz durch die Vermeidung von CO2, eine exzellente win-win-Situation.
Deswegen: mit einem Nein zu den Windkraftgegnern, einem Nein beim Bürgerentscheid machen die Bürger den Weg frei für mehr Klimaschutz, „beflügeln“ den Naturschutz, beleben die biologische Vielfalt und erhöhen die Wirtschaftlichkeit des Stadtwaldes, in mehrfacher Hinsicht eine win-win-Situation also.
Gewiss sind die Windräder in der Landschaft zu sehen; aber sie sind auch für Eltville ein weithin sichtbares Zeichen für Fortschritt, Klimaschutz und Naturschutz.
Positiv Denken lohnt sich; I like it!

Dr. Jürgen Hoffmann,
Mitglied der AG Energie-Zukunft-Rheingau

 

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