Nachlese zur unserer Informationsveranstaltung am 16.03.2015

Die Arbeitsgemeinschaft Energie-Zukunft Rheingau hatte am 16. März die Eltviller Bürgerinnen und Bürger eingeladen zu einer Informationsveranstaltung zur Windenergie in Eltville.
Gäste waren der Bürgermeister von Heidenrod, Volker Diefenbach, sowie Christopher Kleinheitz von Greenpeace Wiesbaden/Mainz. Leider entschuldigen ließ sich Holger Diehl, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Geisenheim.
Der Saal im Gasthof „Engel“ in Erbach war gut besetzt mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern.
Nach der Begrüßung durch den 1. Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Energie-Zukunft Rheingau“ erläuterte Herr Diefenbach den schwierigen, aber erfolgreichen Werdegang des Windpark-Projekts in Heidenrod.
Die 12 WKA des Windparks wurden für insgesamt 56 Mio. EUR erstellt, woran sich die Gemeinde Heidenrod mit 11 Mio. EUR Eigenkapital beteiligte. Der Park ist nun seit 9 Monaten in Betrieb und erwirtschaftet jährlich insgesamt rund 800.000 EUR in die Stadtkasse. Hierin sind Pachteinnahmen, Gewerbesteuer und Gewinne als Anteilseigner enthalten.

Geplant ist eine Umverteilung der Anteile des Investors und der Gemeinde, so dass 10% der Anteile für eine noch zu gründende Genossenschaft frei werden, an der sich die Bürger beteiligen können. Durch die bereits 9-monatige Laufzeit konnten wertvolle Erfahrungen über die wirklichen Windverhältnisse im Park gewonnen werden. Dadurch kann der Gesamtwert des Parks realistischer eingeschätzt werden, und es vermindert sich auch das Risiko für die Bürger, die sich in der Genossenschaft beteiligen wollen.

Bürgermeister Diefenbach ist ein echter „Überzeugungstäter“, was sein Engagement für die Windkraft in Heidenrod angeht. Er verbindet ich die wirtschaftliche Wertschöpfung zugunsten der Gemeinde, die sich auch in moderaten Steuersätzen widerspiegelt, mit dem Auftrag, einen Beitrag gegen die sich anbahnende Klimawende zu leisten. „Wenn wir nichts unternehmen sehen unsere Wälder in wenigen Jahrzehnten ganz anders aus, weil der Wald keine Temperaturänderungen von mehreren Grad Celsius innerhalb kurzer Zeit verkraftet.“
Als ehemaliger Förster weiß Herr Diefenbach wovon er spricht. Und er fährt fort: „Zum Schutz des Waldes wollen wir WKA im Wald.“

Für die 12 WKA im Park wurden insgesamt 8 ha Wald gerodet, davon der größte Teil Jungwald. Bei einem Gesamtbestand von 6.000 ha auf Heidenroder Gebiet liegt dieser Eingriff noch im Rahmen der natürlichen Schwankungen der Verluste durch Windbruch und Borkenkäfer.

Der Windpark zeigt im Betrieb sehr gute Windgeschwindigkeiten von deutlich über 6 m/s – ganz auf der Linie der bei der Planung gemachten Berechnungen.
Bezüglich des Standortvergleichs von Heidenrod und dem Rheingauer Höhenzug bei Eltville kam er fast ins Schwärmen: „Sie haben hier im Rheingau mit ihrem südwestlich verlaufenden Höhenzug, ohne den Wind störende Querlagen, optimale Voraussetzungen für die Aufstellung von WKA.“

Christopher Kleinheitz von Greenpeace referierte über die Auswirkungen unseres bisherigen Energiekonsums und grundsätzlichen Vorteile von Windkraftanlagen – auch in Waldgebieten. Immer größere Gebiete auf der ganzen Welt werden zunehmend unbewohnbar durch die einsetzenden klimatischen Veränderungen. Die Nutzung von fossilen Brennstoffen wie Kohle und Öl – und auch die Kernkraft – sind der falsche Weg und führen auch zu immer weiter steigenden Energiekosten für alle. Der vom Menschen mitverschuldete Klimawandel ist nur mit Erneuerbaren Energien aufzuhalten.

In der nachfolgenden Diskussion kamen auch Fragen zum Artenschutz im Wald auf. Heutzutage gibt es verschiedenste Methoden um möglicherweise durch WKA gefährdete Arten zu schützen. Durch ein gut vernetztes Meldesystem für den Zug der Kraniche können die WKA lange vor dem Eintreffen der Vögel abschaltet werden. Durch Mikrofon-gestützte Schallaufzeichnungen der Fledermauslaute können WKA im Bedarfsfall abgeschaltet werden.
Eine weitere Frage betraf die erbrachte bzw. zu erwartende Leistung der WKA in Heidenrod. Die 12 Anlagen erbringen eine Gesamtleistung von 92 Mill. kWh pro Jahr – das entspricht dem Verbrauch von 28.000 Einwohnern.

Abschließend ein schönes und wahres Wort von Bürgermeister Diefenbach: „Wir leben hier alle auf Kosten anderer. Es wird Zeit, dass wir dies ändern.“

Veröffentlicht in Allgemein